Artikel zu den Nationalvertrieben

Grundlegendes Branchenwissen aus der Welt der Pressevertriebe

“Nationalvertriebe im Spannungsfeld“ - ein Artikel zu den Nationalvertrieben aus dem dnv  1-2 / 2011

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Grundlegendes Branchenwissen aus der Welt der Pressevertriebe

Brancheninfos

Auf dieser Seite haben wir für Sie einige Informationen zum Pressevertrieb zusammengestellt. Die folgende Grafik zeigt Ihnen welche Absatzwege wir für unsere Kunden bedienen. Mehr zum Thema Nationalvertrieb können Sie in dem zum Download zur Verfügung stehendem Artikel aus dem dnv 1-2/ 2011 entnehmen. Weiter unten finden Sie des Weiteren Ausführungen zu den Grundlagen des deutschen Pressevertriebssystems.

Pressefreiheit

Die Grundlage der Pressefreiheit ist in Artikel 5 des Grundgesetzes verankert:

"Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt."

Mit dieser verfassungsmäßigen Etablierung der Pressefreiheit werden die Gleichschaltung der Presse und die Unterdrückung unbequemer Meinungen ausgeschlossen. Der verfassungs-rechtliche Schutz der Presse reicht von der Beschaffung der Information bis zur Verbreitung der Nachricht und Meinung.

Um dies zu gewährleisten wurde nach dem Zweiten Weltkrieg in der Bundesrepublik Deutschland ein Pressevertriebssystem für Zeitungen und Zeitschriften etabliert mit dem Ziel, den freien Zugang zu Presse im gesamten Bundesgebiet gleichermaßen sicherzustellen.


Grundsätze des deutschen Pressevertrieb-Systems

Das deutsche Presse-Vertriebssystem zeichnet sich in Ableitung des Auftrages aus Artikel 5 des Grundgesetzes, Pressefreiheit und Pressevielfalt zu gewährleisten, durch mehrere Charakteristika in der Zusammenarbeit zwischen Verlagen und dem Pressehandel aus. Grundsätzlich basiert das Presse-Vertriebssystem in Deutschland auf 5 Säulen:

Säule 1: Neutralität

  • Verpflichtet den Grossisten bei Alleinstellung in  seinem Gebiet zur Annahme und Verbreitung aller verkäuflichen Titel im Rahmen bestehender Gesetze (Kontrahierungszwang)
  • Führt zu strikter Gleichbehandlung vergleichbarer Titel
  • Verbietet Diskriminierung eines Titels ohne sachlich gerechtfertigten Grund


Säule 2: Preisbindung

  • Verhindert ruinösen Preis-Wettbewerb im Pressehandel und schafft Voraussetzungen für kontinuierlichen und flächendeckenden Absatz
  • Gewährleistet Pressevielfalt in einem engmaschigen Händlernetz
  • Gilt zwischen
    - Verlagen und Großhandel / Bahnhofsbuchhandel
    - Großhandel und Einzelhandel
    - Bahnhofsbuchhandel / Einzelhandel und Pressekäufen


Säule 3: Verwendungsbindung

  • Verpflichtet den Handelspartner, die ihm gelieferten Presseerzeugnisse nur auf dem vereinbarten Absatzweg zu verwenden
  • Vermeidet Wettbewerbsverzerrungen durch Nutzung unterschiedlicher Vertriebskanäle mit unterschiedlichen Einkaufspreisen
  • Erhält Vertriebssparten (z.B. Lesezirkel, Bahnhofsbuchhandel) mit spezifischen Kosten-/ Erlösstrukturen


Säule 4: Remissionsrecht

  • Bedeutet volles Rückgaberecht von Einzel- und Großhandel für nicht verkaufte Exemplare
  • Stellt die Übernahme des gesamten Warenrisikos durch die Verlage dar
  • Verhindert reduziertes Angebot durch Groß- und Einzelhandel
  • Hat somit das Ziel, stets ein flächendeckendes Mengenangebot bei vertretbaren Ausverkaufsquoten zu gewährleisten


Säule 5: Dispositionsrecht

  • Gibt dem Verlag das alleinige Weisungsrecht über:
    - Startauflage bei Einführung neuer Objekte
    - Objektbezogenen Angebotszeitraum
    - Laufende Angebotsmenge im Rahmen der Verkäuflichkeit
  • Wird durch die Neutralitätspflicht des Grossisten begrenzt, d.h. keine unzumutbaren, willkürlichen und missbräuchlichen Dispositionen zu Lasten verkäuflicher Titel


Über die fünf konstitutiven Elemente des Pressevertriebssystems hinaus wird eine gebietsbezogene Alleinauslieferung praktiziert, d.h. jeder Titel wird in einem Gebiet nur von einem Grossisten an den EH geliefert. Dies bedeutet für den Grossisten als Absatzmittler in seinem Gebiet Schutz vor Konkurrenten, da er den Titel allein distribuiert. Erzwungen wird dadurch aber die Überallerhältlichkeit (Ubiquität) und somit die Garantie für eine Presse– und Informationsvielfalt auch in absatz– bzw. bevölkerungsschwachen Gebieten.

Die gebündelte Auslieferung aller Titel durch einen Grossisten ist daher organisatorisch und wirtschaftlich sinnvoll. Alleinauslieferung bedeutet aber nicht, dass es nur einen Grossisten pro Gebiet geben darf.