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Bahnhofsbuchhandel (BB)

Der Bahnhofsbuchhandel (kurz: BB oder BaBu) ist neben dem Groß- und Einzelhandel eine gesonderte Vertriebssparte für den Einzelverkauf von Presseprodukten wie Zeitungen und Zeitschriften. Bahnhofsbuchhandlungen sind Einzelhandelsunternehmen, die von den Verlagen direkt beliefert werden.
Um das Recht zur direkten Belieferung durch die Verlage zu erreichen, müssen Bahnhofsbuchhandlungen bestimmte Kriterien erfüllen. Nur die vertragliche Erfüllung dieser Kriterien rechtfertigt eine Sonderbehandlung des Bahnhofsbuchhandels gegenüber dem sonst geltenden Gleichbehandlungsgrundsatz im Einzelhandel. Ursprünglich basierte die Sonderstellung des Bahnhofsbuchhandels auf der durch § 41 Bundesbahngesetz vorgeschriebenen Versorgungsfunktion für Reisende und einem gesetzlichen „Betriebszwang“ mit entsprechenden Vertriebsanforderungen. Durch die Privatisierung der Bahn und den daraus resultierenden Wegfall des Bundesbahngesetzes wurde eine Neudefinition der Bahnhofsbuchhandelskriterien erforderlich. Nach dem Wegfall des „Betriebszwanges“ sind die „Kriterien für den Bahnhofsbuchhandel“ das Unterscheidungsmerkmal des Bahnhofsbuchhandels zum normalen Einzelhandel und damit die sachliche Rechtfertigung für die Direktbelieferung des BB durch die Verlage (Diskriminierungsverbot).

Es gelten die zwischen dem Verband Deutscher Zeitschriftenverleger und dem Verband Deutscher Bahnhofsbuchhändler in 06/1993 vereinbarten „Kriterien für den Bahnhofsbuchhandel“ in der überarbeiteten Fassung vom 04.05.2006. Verkaufsstellen auf Personenbahnhöfen des Eisenbahnverkehrs können von den Verlagen zu Bahnhofsbuchhandelskonditionen beliefert werden, soweit diese Verkaufsstellen den Bedürfnissen des Reiseverkehrs zu dienen bestimmt sind. Personenbahnhöfe des Eisenbahnverkehrs sind dabei solche, die dem Fernverkehr oder dem überörtlichen Schienenverkehr dienen. Die Belieferung zu Bahnhofsbuchhandelskonditionen setzt darüber hinaus die Erfüllung der nachstehenden Anforderungen voraus:

1. Betriebszeiten
Eine Bahnhofsbuchhandlung muss an sämtlichen Tagen des Jahres geöffnet sein. Betriebsferien und Schließungen an Feiertagen sind ausgeschlossen. Die Öffnungszeiten werden von dem Vermieter festgesetzt und betragen in der Regel mindestens 100 Stunden pro Woche, jedoch nicht weniger als 90 Stunden pro Woche, wenn dies der relevanten Zuglage entspricht.

2. Sortiment
Eine Bahnhofsbuchhandlung muss sich in ihrem äußeren Erscheinungsbild eindeutig als Verkaufsstelle mit Schwerpunkt Presseerzeugnisse darstellen. Die Angebotsfläche für das Presse- und Buch-Sortiment muss mindestens 70% der gesamten Fläche betragen. Die Bahnhofsbuchhandlung stellt sicher, dass der Charakter einer Fachverkaufsstelle für Presseerzeugnisse durch das ergänzende Beisortiment nicht beeinträchtigt wird. Grundsätzlich ist eine Bahnhofsbuchhandlung dazu verpflichtet, jedem neuen Presseerzeugnis den Zugang zum Markt zu öffnen. Im Angebot ist ein verkäufliches ZZ-Vollsortiment – mindestens jedoch 1.000 sichtbar im Angebot befindliche Titel – zu führen.

3. Umsatz
Die Bahnhofsbuchhandlung erzielt wesentliche Teile am Gesamt-Umsatz aus dem Verkauf von Presseerzeugnissen.

4. Ladeneinrichtung

Die Bahnhofsbuchhandlung gewährleistet eine zeitgemäße, verkaufsgerechte Ladeneinrichtung, um die Präsentation des ZZ-Sortiments über den Angebotszeitraum sicherzustellen.

5. Datentransfer
Die Bahnhofsbuchhandlung nimmt an den anerkannten Verfahren KR und ISPC in der jeweils für den Bahnhofsbuchhandel gültigen Fassung teil.

6. Verfahrensvorschriften
Der Betreiber der Bahnhofsbuchhandlung, der in der Regel das Alleinvertriebsrecht für Presse auf dem jeweiligen Betriebsgelände erhält, hat den Nachweis über die Erfüllung aller Kriterien zu erbringen. Bei mehreren Verkaufsstellen des Pächters auf diesem Betriebsgelände ist die Erfüllung der Kriterien von mindestens einer Verkaufsstelle erforderlich. Wird der Nachweis über die Erfüllung der Kriterien nicht erbracht, kann die Direktbelieferung frühestens 12 Monate nach Feststellung enden.


Erläuterungen zu den Kriterien Bahnhofsbuchhandel:
a) Wenn die Kriterien zu Ziffern 1 bis 5 insgesamt erfüllt sind, können Verkaufsstellen von Verlagen auch dann zu Bahnhofsbuchhandelskonditionen beliefert werden, wenn diese Verkaufsstellen auf Flughäfen liegen.
b) Voraussetzung für die Direktbelieferung ist nicht, dass die Bahnhöfe von der Deutschen Bahn AG betrieben werden, erforderlich ist der Betrieb des Schienenverkehrs mit regionaler oder überregionaler Bedeutung.
c) Bahnhofsbuchhändler, die Verkaufsstellen in Einkaufszentren oder Shopping- Malls auf Bahnhöfen betreiben, können zu Bahnhofsbuchhandelskonditionen beliefert werden, wenn die Lage der Verkaufsstelle im Einkaufscenter auf die Versorgung der Reisenden ausgerichtet ist und die Kriterien 1-6 erfüllt sind.

Die Erfüllung der Direktbelieferungskriterien einer BB werden durch die PMV-Projektgruppe Bahnhofsbuchhandel durch die Statuserhebung in Abständen geprüft. Presseverkaufsstellen auf U- und S-Bahnhöfen und solche auf Fernbahnhöfen, die die Kriterien nicht erfüllen, werden als Einzelhändler über das Presse-Grosso beliefert. Der Bahnhofsbuchhandel macht mit rund 500 Verkaufsstellen an zurzeit 367 Standorten – darunter ca. 22 Flughäfen – ungefähr 0,4 Prozent aller Presseverkaufsstellen aus (Stand Dezember 2012). Damit werden rund 9 Prozent aller Einzelverkaufsumsätze erzielt. Bahnhofsbuchhandlungen sind umsatzstarke, leistungsfähige Verkaufsstellen, die vor allem bei Special Interest-Titeln und bei Auslandspresse hohe Verkaufsanteile erreichen. Der durchschnittliche Wochenumsatz einer BB beträgt ca. 11.000 €. Die Kundenfrequenz pro Woche beträgt im gesamten Bahnhofsbuchhandel durchschnittlich 8 Millionen.
Der Branchenumsatz beträgt rund 350 Mio. Euro (Stand 2012). Davon entfallen rund 25 Prozent auf Bücher – Hardcover und Taschenbuch –, Landkarten u.ä. und etwa 75 Prozent auf Zeitungen und Zeitschriften. Im Bahnhofsbuchhandel sind insgesamt ca. 3.200 Beschäftigte tätig. Die Firmen des Bahnhofsbuchhandels sind im Verband Deutscher Bahnhofsbuchhändler e.V., Düsseldorf, organisiert. Dem Verband gehören mittlerweile 28 Mitgliedsfirmen an (stand Dezember 2013). 2007 waren es noch 62 Mitgliedsfirmen.


Auszüge aus dem VDZ Vertriebslexikon
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