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Presse-Grosso

Als Presse-Grosso bezeichnet man in Deutschland alle Großhandelsunternehmen der Verlagsbranche. Die Presse-Großhändler vertreiben in erster Linie Presseerzeugnisse wie Zeitschriften, Zeitungen und RCR (Romane, Comics, Rätselhefte), aber auch Non-Press-Produkte wie z.B. Kalender, Kataloge, Sammelbilder und -karten, etc. 
Neben dem Vertrieb über dem Presse-Großhandel gibt es auch andere Absatzwege für Presseprodukte wie etwa den Vertrieb über den Bahnhofsbuchhandel, das Abonnementgeschäft oder über den Spezialverkauf. Mit einem Marktanteil von ca. 54 % ist der Absatz über den Presse-Grosso jedoch die wichtigste Vertriebssparte im deutschen Pressemarkt.

Die Anzahl der Grossisten in Deutschland hat sich seit dem Jahre 2007 (76 Grossisten mit 92 Vertriebsgebieten) aufgrund von Fusionen der Großhändler untereinander stark verringert. Derzeit gibt es 60 Grossofirmen (Stand 01.04.2014) mit 72 Vertriebsgebieten (Vertriebsregionen).
Das Grosso-System hat sich für die Pressevielfalt und Angebotsdichte in Deutschland bewährt. Der Grossist fungiert als Bindeglied zwischen den Verlagen und dem Einzelhandel. Insgesamt werden mehr als 120.000 Einzelhändler in Deutschland vom Presse-Grosso beliefert. Die Zahl der ausgelieferten Zeitschriften und Zeitungen beträgt dabei bis zu 6.000 verschiedene Titel. Der Umsatz des Presse-Grosso mit Presse zu Nettoabgabepreisen an den Einzelhändler betrug 2013 rund 2,356 Milliarden €, ist jedoch in den letzten Jahren leicht gesunken (2006 betrug der Umsatz 2,7 Milliarden €).

Der deutsche Presse-Großhandel zeichnet sich durch folgende, besondere Merkmale aus:

  • Alleinauslieferungsrecht
    Jeder Grossist hat in seiner Vertriebsregion bzw. Vertriebsregionen das Alleinauslieferungsrecht (monopolistische Angebotsstruktur gegenüber dem Einzelhandel).
    In zwei Vertriebsgebieten (Hamburg und Berlin) gibt es zwei Grossisten, von denen jeder nur für einen Teil der Verlage und Zeitschriftentitel (Objekttrennung) das Alleinauslieferungsrecht wahrnimmt.
  • Neutralität
    Der Grossist ist bei Alleinstellung verpflichtet, in seinem Gebiet alle verkäuflichen Pressetitel anzunehmen und zu verbreiten. Er muss sowohl alle Verlage als auch alle durch ihn belieferten Einzelhändler prinzipiell gleichbehandeln. Dadurch wird für jedes Presseerzeugnis der freie Marktzutritt sichergesellt und für eine Überallerhältlichkeit der Ware gesorgt.
  • Dispositionsrecht
    Der Verlag legt grundsätzlich die Liefermengen seines Presseprodukts an die Grossisten fest (originäres Dispositionsrecht). Der Grossist hat jedoch aufgrund der Verkaufsergebnisse und seiner Marktkenntnis das Recht zu entscheiden, mit wie vielen Exemplaren die Einzelhändler beliefert werden (derivatives Dispositionsrecht).
  • Remissionsrecht
    Jeder Einzel- und Großhändler hat das Recht, die nicht verkauften Exemplare dem Verlag gegen Gutschrift zurückzugeben. Dadurch wird gewährleistet, dass ausreichend Exemplare über die verkaufssichere Menge hinaus im Angebot sind.
  • Preisbindung
    Der Verlag legt sowohl die Abgabepreise vom Groß- und Einzelhandel als auch die Verkaufspreise zwischen Einzelhandel und Endverbraucher fest. Durch diese Preisbindung sind Preisspekulationen für Presseprodukte nicht möglich.
  • Gebiets- und Verwendungsbindung
    Der Grossist darf nur innerhalb der ihm vom Verlag vorgegebenen Grenzen an Einzelhändler vertreiben. Diese wiederum sind ihrerseits gebietsbezogen tätig und müssen die bundesweit vorgegebenen Erstverkaufstage der Presseerzeugnisse gegenüber den Endverbraucher einhalten. Außerdem sind die Handelspartner verpflichtet, die ihnen gelieferten Zeitschriften und Zeitungen nur auf dem vereinbarten Absatzweg zu verwenden. Somit wird eine Wettbewerbsverzerrung vermieden, die durch die Nutzung unterschiedlicher Vertriebskanäle mit unterschiedlichen Einkaufspreisen auftreten würde.


Die Zusammenarbeit zwischen den Verlagen und dem Presse-Großhandel ist in einem Leistungsrahmen, dem „Koordiniertem Vertriebsmarketing" (KVM), niedergelegt. Das KVM bietet allen Vertragspartnern einen detaillierten und umfassenden Überblick über die Leistungen, die erbracht werden sollen, um den Pressevertrieb effizienter und leistungsfähiger zu gestalten. Der Leistungsrahmen wurde vom Bundesverband Deutscher Buch-, Zeitungs- und Zeitschriften-Grossisten, dem Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) und dem Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) gemeinsam erarbeitet und wird stets an aktuelle Marktverhältnisse angepasst.

Die Grossisten ohne Verlagsbeteiligung sind im Bundesverband Deutscher Buch-, Zeitungs- und Zeitschriften-Grossisten e.V., Köln, zusammengeschlossen, die Grossisten mit Verlagsbeteiligung in der Arbeitsgemeinschaft Pressevertrieb (APV).


Auszüge aus dem VDZ Vertriebslexikon
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